Zahnbehandlung beim Pferd

Pferdezähne wachsen lebenslänglich kontinuierlich etwa 2-3mm pro Jahr. Normalerweise schleifen sie sich sowohl an der Nahrung, als auch aneinander ab. Bei der heute üblichen Haltungsform bekommen die Pferde 2-3x täglich weicheres und energiereicheres Futter als es die Natur für das Steppentier Pferd vorgesehen hat. Durch diese Fütterung vermindert sich beim Zermahlen der Futters die Seitwärtsbewegung der Kiefer, was die Bildung von scharfen Kanten an den Backenzähnen begünstigt. Bei den Pferden ist der Oberkiefer breiter als der Unterkiefer. Somit entstehen am Oberkiefer außen (buccal) und am Unterkiefer innen (lingual) scharfe Kanten. Diese Kanten können schmerzhafte Verletzungen an der Backenschleimhaut und an der Zunge verursachen, die durch den Gebrauch eines Gebisses noch verstärkt werden.

Werden die Schneidezähne durch mangelnde Nutzung (fehlender Abrieb durch Abbeißen von Gras) zu lang, können die Backenzähne, durch den vergrößerten Abstand zueinander, das Futter nicht mehr optimal zermahlen. Zudem werden die Kiefergelenke stärker belastet.

Klemmt sich beim Zahnwechsel eine Milch-Kappe / Milchzahn zwischen zwei anderen Zähnen ein, kann der Zahnwechsel nicht beendet werden und der bleibende Zahn übt einen unangenehmen Druck auf den Kieferknochen aus und Knochenaufreibungen am Unterkiefer können die Folge sein.

Im Oberkiefer haben manchen Pferde vor dem ersten Backenzahn einen sehr kleinen Zahn mit kurzer Wurzel. Dabei handelt es sich um den sogenannten rudimentären Wolfszahn (P1). Diese Zähne liegen genau in der Auflagefläche des Trensengebisses und stören somit oftmals beim Reiten. Nicht alle Wolfszähne haben das Zahnfleisch durchbrochen. Im Normalfall sind Wolfszähne leicht und unkompliziert zu entfernen.

Anzeichen für Zahnprobleme

 Unrittigkeit
  • Maul aufsperren
  • Kopfschlagen
  • Stellungsprobleme (meist einseitig)
  • Schwierigkeiten in der Anlehnung
  • Pferd wehrt sich gegen Gebiss
  • Schwierigkeiten beim Auftrensen
Veränderte Futteraufnahme
  • Langsames und schlechtes Fressen
  • Abnorme Kaubewegungen
  • Fressen von Heu vor dem Kraftfutter
  • Futter fällt aus dem Maul
  • Heuwickel
  • Polstern der Wangen mit Heu
  • Übermäßiges Speicheln

Veränderter Allgemeinzustand
  • Empfindlichkeit im Maul- und Backenbereich
  • Gewichtsabnahme trotz genügender Futteraufnahme
  • Stumpfes Fell
  • Durchfall
  • Schlundverstopfung
  • Große Partikel im Kot
  • Allgemeine Unlust
  • Koliken
  • Fauliger Geruch aus dem Maul
  • Kopfschütteln / Headshaking
  • Pferd frisst lieber Heu und Weichfutter als Hafer und Pellets
Wie oft sollten die Zähne beim Pferd kontrolliert werden?
  • 1x jährlich: bei Pferden, die älter als 5 Jahre sind (z.B. routinemäßig bei der Impfung)
  • 2x jährlich: bei Pferden im Alter von 2 ½ bis 4 ½ Jahren, da in diesem Alter etwa halbjährlich ein Zahnwechsel stattfindet und evtl. Milchkappen entfernt werden sollten. Bei Pferden, denen ein Zahn fehlt oder die eine Kieferfehlstellung haben.

EOTRH

Die „Equine Odontoklastic Tooth Resorption and Hypercementosis“ (EOTRH) stellt eine fortschreitende, parodontale Erkrankung der Schneide- und Hengstzähne dar. Betroffen sind vor allem ältere Pferde (> 15 Jahre), Wallache sowie Warmblüter, wie auch Robustrassen (Isländer, etc.).

Der EOTRH geht eine Erkrankung des Zahnhalteapparates (Parodontium) voraus. Solche parodontalen Schädigungen können durch unzureichende Gebissabnutzung, lokale Reize oder andere entzündliche Prozesse verursacht werden. Anders als bei physiologischen Reparaturvorgängen solcher Schäden, wird die Reparation mittels Zahnzement bei der EOTRH nicht gestoppt, sondern geht im Bereich der Zahnwurzeln und -hälse in eine überschießende Zahnzementbildung über (Hyperzementose). Zusätzlich kommt es zu einer vermehrten Osteoklasten-Aktivität, was einen Abbau des Alveolarknochens zur Folge hat. Die exakte Pathogenese und die ätiologie dieser Zahnerkrankung sind zurzeit noch unbekannt.

Klinisch stellt sich das Zahnfleisch (Gingiva) wulstartig und entzündet dar. Des Weiteren können Eiterbläschen (Fisteln) in diesen Bereichen und starker Mundgeruch auftreten. Da die EOTRH für die Pferde sehr schmerzhaft ist, sind Probleme beim Auftrensen, beim Setzen eines Maulgatters, Trinken kalten Wassers oder Abbeißen harter Futtermittel häufig feststellbar.

Neben der meist eindeutigen Symptomatik, können röntgenologisch (intraorale Röntgenbilder) die bullös-aufgetriebenen Zahnwurzeln der Schneide- bzw. Hengstzähne dargestellt werden.

Therapeutisch sollten die Schneidezähne zur Entlastung gekürzt werden. Die positiven Effekte durch Zusatzfuttermittel mit Pilzextrakten auf das Fortschreiten der EOTRH, werden momentan wissenschaftlich untersucht. Bei weit fortgeschrittener EOTRH ist meist eine radikale Entfernung aller erkrankten Zähne (Totalextraktion) notwendig, um die entzündlichen Prozesse zu stoppen. Funktional sind die Pferde nach einer Totalextraktion nicht beeinträchtigt.

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