Die extrakorporale Stoßwellentherapie

...wird in der Humanmedizin seit vielen Jahren erfolgreich bei zahlreichen orthopädischen Problemen (v. a. im Spitzensport) eingesetzt und hat sich aufgrund derer Erfolge auch in der Pferdemedizin etabliert. Ursrpünglich verwendete man die Stoßwelle in der Humanmedizin zur Zertrümmerung von Blasensteinen, wodurch Operationen umgangen werden konnten. Jedoch eröffneten sich im Laufe der Zeit immer neue Anwendungsgebiete, welche auch sicherlich durch die immer ausgereiftere Technik entstanden. Eine dieser neueren Techniken ist die fokussierte Stoßwelle. Der Vorteil der fokussierten im Gegensatz zur radialen Stoßwellentechnologie ist, dass die Stoßwellen bis ca.13 cm Tiefe eindringen können bei deutlich höherer Druckerzeugung auf einen genauen(den defekten Bereich) “fokussiert“ werden können. Dadurch wirkt deren Energie gezielt auf den zu behandelnden Gewebebereich. Die fokussierte Stoßwellentherapie ist deutlich effektiver als die Radiale, allerdings ist die Behandlung auch teurer.

Stoßwellen sind sehr druckstarke Schallwellen, die sich durch eine kurze hohe Amplitude (10 µs) mit steilem Druckanstieg (bis über 100 bar) auszeichnen. Sie werden über einen Schallkopf durch direkten Kontakt mit der Haut in das zu behandelnde Gewebe eingebracht. Am übergang zwischen einem Gewebe mit hoher Dichte (wie z.B. Knochen, Verkalkungen) und einem Gewebe mit niedriger Dichte (z.B. Muskeln, Fett) wird Energie aus den Stoßwellen freigesetzt. Diese Energie dürfte im behandelten Gewebe folgende Reaktionen auslösen:

  • Neue Blutgefäßbildung und dadurch bessere Durchblutung des erkrankten Gewebes
  • Auflockerung von Verkalkungen und dadurch bessere Resorption durch den Körper
  • Lösen von Verklebungen in Sehnenfasern und bessere Ausrichtung neu gebildeter Fasern
  • Aktivierung der Zellteilung und dadurch bessere Regeneration des Gewebes
  • Schmerzreduzierung

Die Anwendungsgebiete der fokussierten Stoßwelle beim Pferd sind vielfältig und in den letzten Jahren konsequent weiterentwickelt worden. Die wichtigsten Anwendungen sind im Folgenden aufgelistet:

Die Stoßwellentherapie kann nur in der Praxis durchgeführt werden. Sie erfolgt am stehenden Pferd. Das Pferd erhält in den meisten Fällen zuvor eine leichte Sedierung (Beruhigungsspritze), da das Stoßwellengerät ein tackendes Geräusch erzeugt und im Einzelnen auch unangenehm sein kann. Anschließend wird das zu behandelnde Gebiet geschoren bzw. rasiert und Ultraschallgel aufgetragen, um eine optimale Ankopplung zu erhalten. Die Dauer der Behandlung liegt zwischen 10 und 20 Minuten. In der Regel sind drei Behandlungen im Abstand von ein bis zwei Wochen erforderlich.

  • Erkrankungen bzw. Zubildungen im Bereich von Sehnen- / Fesselträger- / Band- oder Gelenkkapselansatz (z.B. Schäden an oberflächlicher und tiefer Beugesehne, Unterstützungsband oder Fesselträgerursprung/-ansatz)
  • Verkalkungen von Sehnen oder Bändern (z.B. Leist, Verkalkungen an Fesselträgeransatz)
  • Verklebungen im Bindegewebe (Z. B. Ringbandsyndrom, Sehnenscheidenentzündung);
  • Erkrankungen des Knochengewebes (z.B. überbeine, schlecht heilende Griffelbeinfrakturen, Gelenksschalen);
  • Hufrollenerkrankung( wirkt kausal auf die Knochendefekte im Strahlbein);
  • Rückenbehandlungen (v. a. muskuläre Probleme);
  • Schlecht heilende Wunden, Narbenkeloide;
  • Schleimbeutelentzündung am Ansatz des Nackenbandes, sogenannte "Genickbeule";
  • Bei Fohlen als nicht invasive Behandlungsalternative bei verschiedenen Gliedmaßenerkrankungen;
  • chronischen Schmerzen, die therapieresistent gegenüber konventionellen Methoden sind;
  • Alternativer Therapieansatz zu Kortison!!!
  • Da die Stosswellentherapie zu einer reduzierten Schmerzwahrnehmung führt, darf sie laut FEI-Reglement innerhalb der letzten 5 Tage vor einem Turnier nicht angewendet werden.

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